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Yoga in der epischen Zeit (0 bis 200 n. Ch.)
In der epischen Zeit gewinnen, neben der brahmanischen Religionswelt
in der öffentlichen Kultur, neue religiöse Praktiken in
den Randgebieten an Substanz. Diese unterschiedlichen Religionskonzepte
(alt und neu) werden vereint, in dem die neuen Ideen in den bestehenden
Konzepten integriert werden.
Die Heilswege forderten meistens eine vollständige Abkehr von
der Welt und damit eine Haltung der „Nicht-Tätigkeit“.
Auf der anderen Seite waren aber die meisten Gläubigen in das
soziale Leben integriert, konnten nicht einfach „Aussteigen“
und hatten daher eine „Werk-Tätigkeit“ zu erledigen.
In diesem Spannungsfeld entstanden die grossen Volksepen Indiens,
Mahabharata und Ramayana, die eine Harmonisierung der widersprechenden
Konzepte erlaubten: Eine Befreiung ist durch rechtes Glauben und
Handeln in der Welt möglich!
Die Integration dieser widersprechenden Konzepte im Yoga findet
ihren Höhepunkt in der Bhagavad Gita (Teil des Mahabharata).
In der Bhagavad Gita vermittelt Krisna
Arjuna die „rechte Lehre“, den unveränderlichen
Yoga. Das wesentliche dieser rechten Lehre ist :
• Karma-Yoga: Das Erfüllen seiner Pflichten führt
zum Erfüllen des persönlichen Dharma und damit zu Befreiung
(Tat-Yoga).
• Jnana-Yoga: Wer durch Erkenntnis den höchsten Herrn
erkennt, erhält nach dem Tod Befreiung (Erkenntnis-Yoga).
• Bhakti-Yoga: Die Hingabe an Gott kann noch in diesem Leben
zur Befreiung führen (Hingabe-Yoga).
• Trimarga-Yoga: Der Drei-Wege-Yoga als Kombination der 3
oben genannten Yoga-Wege.
Yoga in den Purusas (0 bis 200 n. Ch.)
Die 18 „grossen Purusas“ zeigen die geistige Grundströmung
etwa ab Christi Geburt, den Theismus. Dieser Zeitabschnitt leitete
die eigentliche Hinduismus-Phase ein. Allerdings wurde damit die
geistige Grundströmung auch sehr sektiererisch, und der Gläubiger
musste sich für einen Gott - vorwiegend Visnu oder Siva - entscheiden.
Damit wurde der Visnuismus und der Sivaismus geboren. Diese Religionsaufteilung
war für die nächsten Jahrzehnte bestimmend. Diese religiöse
Strömung hatte auch einen starken Einfluss auf die Yogawege,
prägte diese ebenfalls stark theistisch, und führte teilweise
zu veränderten Zielinhalten (z.B. göttliche Gnade führte
zur Befreiung, statt aktives Üben; der Geist sollte in Siva
gehalten werden etc.).
Yoga-Upanishaden (200 bis 500 n. Ch.)
Die 24 Yoga-Upaniaden bringen keine neuen Ideen, fassen aber die
bekannten Anschauungen über Yoga-Theorie und Yoga-Praxis systematisch
zusammen. Bemerkenswert an den Yoga-Upaniaden ist, dass diese den
Übergang von der philosophisch-ethischen Yoga-Tradition zum
tantrisch gefärbten Hatha-Yoga-System repräsentieren.
Yoga und Tantrismus (500 bis 1000 n. Ch.)
Der Tantrismus war vermutlich die revolutionärste Kulturreform
die Indien erlebt hat. Er stellte das bisherige Wertesystem ins
Gegenteil. Mit dem Tantrismus stand plötzlich die Hinwendung
zur Welt im Zentrum. Die Welt wurde als Ort des Genusses erkannt
und als solcher postuliert. Während dem Tantrismus fand der
Bereich der Sinne und der Sinnlichkeit an Bedeutung, die Weiblichkeit
wurde als gleichberechtigt erkannt. Damit wurde auch der menschliche
Körper als „Tempel Gottes“ erkannt und war das
perfekte Werkzeug für die Befreiung. Durch Erfahrung der sinnlichen
Elemente mit Lebensfreude und –leid kann Befreiung erreicht
werden. Die Geisteshaltung des Tantrismus war der Grundstein für
den Hatha-Yoga.
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