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Beschreiben Sie die Prinzipien der Involution und Evolution im Samkyha
Der Samkyha ist eines von sechs orthodoxen Philosophiesystemen Indiens
(Darshanas) und wird als Theoriesystem (theoretische Ordnung) bezeichnet.
Seine Ergänzung findet der Samkyha im ebenfalls orthodoxen
System des Yoga (lebendige Ordnung), welches als Praxissystem in
Ergänzung zum Theoriesystem des Samkyha interpretiert wird.
Der Samkyha (wörtlich übersetzt „Benennung“)
zählt alle Faktoren, aus welcher die Welt geschaffen ist (25
tattvas), in einer logischen Reihenfolge auf. Als Autor des Samkyha
wird der Rishi „Kapila“ (mythologische Person)angesehen.
Der Grundtext des Samkyha ist die Samkhya-Karika (Karika = Kommentar
zu einer Sutra; Sutra selber existiert nicht; Merkverse) des Ivarakna.
In diesem Grundtext
wird der Begriff Samkyha auch zum ersten Mal erwähnt . Die
Samkyha-Philosophie beschäftigt sich mit der Schöpfung
der Welt und des Menschen (Evolution / Schöpfungsprozess) und
versucht die Erlösung des Menschen aus der leidvollen Schöpfung
aufzuzeigen (Involution / Erlösungsweg).
Prinzip Evolution (Manifestation einer Wirkung aus einer
Ursache)
Das Basiskonzept des Samkhya beruht auf der Theorie von Ursache
und Wirkung
und dass neben allem Manifestierten und Sichtbaren (Wirkung) auch
das Nicht-Sichtbare (Ursache) erfasst werden muss.
Diese Grund-Ursache (Ur-Ursache) wird als Urmaterie oder Materieprinzip
bezeichnet (Prakiti; nicht-manifestiert; avyakta) und ist unvergänglich
und allgegenwärtig. Die manifestierte Urkraft (Prakiti; manifestiert;
vyakta) dagegen schafft die materielle Welt und ist damit veränderlich
und dem steten Wandel unterworfen.
Ausserhalb des Universums (manifestierte Prakiti) und ausserhalb
des Materieprinzips (nicht-manifestierte Prakiti) steht das Geistprinzip
(Purua). Der Purua unterliegt nicht dem Prinzip von Ursache und
Wirkung und wird durch die Kräfte der 3 gunas auch nicht beeinflusst.
Der Purua – Geistprinzip – wird auch übersetzt
mit „reinem Bewusstsein“ .
Durch die Idee des Purua wird der Samkyha zum dualistischen System,
der Urmaterie mit allen ihren Manifestationen steht der Urgeist,
das Ur-Bewusstsein gegenüber.
Ich habe mir die Samkyha-Philosophie in einer Grafik zusammengestellt.
Die Grafik hilft mir, die Fachbegriffe und die Theorie mit ihren
Zusammenhängen anschaulich darzustellen und entsprechend zu
verstehen. Zudem kann der Bezug von Samkyha und Yoga gut erkannt
werden.
In der nicht-manifestierten Prakiti ruhen die 3 gunas in harmonischer
Ausgeglichenheit (Lichtheit). Der Schöpfungsprozess beginnt
mit der Störung der gunas, welche durch die Nähe des Purua
in Bewegung geraten (jungfräulicher Schöpfungsprozess,
da Purua und Prakiti einander nicht berühren). Das Universum
wird durch das Wechselspiel der 3 gunas (sattva = Lichtkraft; Raja
= Energiekraft; tamas = Trägheit) geschaffen und die tattvas
entstehen. Allen Dingen sind die 3 gunas gemeinsam, alle Dinge unterscheiden
sind aber bei der Verteilung dieser gunas. Dieser Schöpfungsprozess
läuft schrittweise und baut immer auf dem vorausgehenden Prinzip
auf (vgl. Systemskizze Samkyha):
• Erstes manifestiertes Prinzip
„buddhi“ / Bewusstheit, höhere Erkenntnis / beinhaltet
8 Veranlagungen (Recht, Unrecht, Wissen, Unwissen, Leidenschaftslosigkeit,
Leidenschaft, Macht, Nicht-Macht); aber nur Wissen führt zur
erlösenden Erkenntnis;
• Zweites manifestiertes Prinzip
„ahamkara“ / Ichmacher / Doppelfunktion von Individualisierung
(ich) und Ichbezogenheit im Sinne von Egoismus (mein); die Ichbezogenheit
führt zur Bindung an die inneren und äusseren Objekte
und damit zum Verlust des Unterscheidungsvermögens zwischen
Purua und Prakiti (avidya);
• Drittes manifestiertes Prinzip
„subjektives Universum“ / manas, die Denkkraft, bringt
die nachfolgenden 10 Kräfte zusammen; 5 Erkenntniskräfte;
5 Handlungskräfte; 1), 2) und 3) werden linga (Merkmal) genannt,
welches bei Inkarnationen übernommen wird; buddhi, ahamkara
und manas werden als inneres Organ bezeichnet; die 5 Erkenntniskräfte
und die 5 Handlungskräfte werden als äusseres Organ bezeichnet;
bei Patañjali bezeichnet der Begriff citta die 3 Begriffe
buddhi, ahamkara und manas;
• Viertes manifestiertes Prinzip
„objektives Universum“ / 5 feinstoffliche Elemente;
5 grobstoffliche Elemente. 
Diese 25 tattvas erklären den Schöpfungsprozess des Samkyha.
Prinzip Involution (Auflösung einer Wirkung in einer
Ursache)
Das menschliche Leben ist dreifachem Leiden unterworfen (SK 1):
• das Leiden, das aus einem selber
kommt;
• das Leiden, das von anderen
Wesen verursacht wird;
• das Leiden, das atmosphärischen
und planetarischen Ursprungs ist.
Diese Leiden entstehen, weil der Purua (Geistprinzip) beginnt sich
mit dem manifestierten Universum (materielle Welt) zu identifizieren.
Er verbindet sich mit dem linga und identifiziert sich als Subjekt,
welches auf die Welt direkt einwirkt. Dadurch erlebt er als Handelnder
(Geniessender und Leidender) alle Erfahrungen der manifestierten
Welt.
Der Samkyha versucht den Menschen auf dem Weg des Erkennens und
Wissens aus diesem dreifachen Leiden – begründet durch
die Identifikation mit dem linga – zu befreien. Der Weg und
das Mittel zur Befreiung ist die unterscheidende Erkenntnis des
Unentfalteten und des Entfaltenten. Das Ziel des Samkyha ist die
Trennung von Purua und Prakiti, von Ur-Bewusstsein und Urmaterie
(kaivalya = Isolation).
Die Erkenntnis zur Trennung von Purua und Prakiti (Jnana) befindet
sich in buddhi, als eines von 8 Veranlagungen. Neben dem Wissen,
welches zur Befreiung führen kann, befinden sich aber noch
7 andere Veranlagungen in buddhi, welche der Erlösung im Wege
stehen. Buddhi kann also einerseits die Erlösung ermöglichen,
anderseits nimmt sie am mentalen und materiellen Universum teil
und behindert die Erlösung. Die Erkenntnis der absoluten Trennung
von Purua und Prakiti in der buddhi ermöglicht schlussendlich
die Befreiung aus der leidvollen Schöpfung. Samkyha ist ein
Weg des Wissens und des Erkennens. Dieses Wissen wird durch die
ununterbrochene Meditation über die 25 tattvas erworben.
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