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Im Yoga-Sutra des Patañjali (YS) erachte ich die beiden folgenden Sutras als sehr zentral und miteinander direkt verbunden:

   
• YS I, 2: „yogas citta-vitti-nirodhah“
Yoga ist die Stilllegung der Bewegungen des Geistes.
• YS II, 46: „sthira-sukham asanam“
Die Sitzhaltung sei fest und angenehm.
   

Unser Geist ist von Natur aus ständig in Bewegung (Fühlen, Denken, Verstand, Gedächtnis, Willen, Ego etc.). Durch diese ständige Bewegung erhalten wir keine innere Ruhe und sind unaufhörlich mit der Aussenwelt verbunden, welche auch entsprechend Freude und Leid als Ergebnis mit sich bringt. Damit verblendet sie uns aber auch die Sicht und den Weg zum eigenen Selbst. Solange der Mensch seinen Geist nicht zur Ruhe bringt, kann er keinen Zugang zu seinem eigenen Selbst finden. Die Übung der Gedankenbeherrschung ist notwendig, damit wir das Wesen der Wahrheit erreichen können.

Patañjali spricht nur von einer Asana, der rechten Sitz-Haltung, gemeint ist eine gerade aufgerichtete Meditationshaltung mit gekreuzten Beinen. Diese Sitzhaltung soll fest (stabil, ruhig) und angenehm (bequem, entspannt, leicht, in einem glücklichen Raum) sein, stabil in ihrer Position aber sehr entspannt in der Ausführung. Die Kombination dieser beiden Anforderungen ist notwendig, weil nur in dieser entsprechenden Haltung der Geist nicht zusätzlich in Bewegung gerät, angeregt durch die Fehlhaltungen der Asana.

Ist die Haltung unstabil und unangenehm (allenfalls sogar schmerzvoll) konzentriert sich der Geist auf die Fehlhaltungen, wird von entsprechenden Energien in Bewegung gesetzt und eine Stilllegung der Geistesbewegungen ist unmöglich. Nur in einer festen (stabilen) und angenehmen (entspannten) Haltung kann die Stilllegung der Bewegungen des Geistes erreicht werden. Die Bemühungen des Übenden für die richtige, feste und angenehme Haltung sind notwendig, damit er das Endziel des Yogas „nirodhah“ oder „Samadhi“ erreichen kann.

Diese Anweisungen des Patañjali für die richtige Sitzhaltung können und sollten auf alle Übungen des Hatha-Yoga übernommen werden. Bei jeder Asana soll die Ausführung fest (stabil) und gleichzeitig angenehm (entspannt) sein.
Dies verlangt, dass die Übungen mit Rücksicht auf die eigenen Grenzen ausgeführt werden und die Stellung anschliessend entspannt, innerlich friedvoll und mit Freude wahrgenommen wird. Diese persönliche Einstellung zum Yoga und zu den einzelnen Asanas bietet die Chance, das Ziel des Yoga „die Stilllegung der Bewegungen des Geistes“ über jede einzelne Asana zu erreichen.

Das Sutra „sthira-sukham asanam“ übertrage ich im vorgehend geschilderten Sinne auf meine Yogapraxis. Mit der Yogapraxis verfolge ich das Ziel die Bewegungen meines Geistes zu beruhigen und übe daher alle Asanas in der Kombination Stabilität und Entspanntheit.
Das Geheimnis des Hatha-Yoga liegt bei der persönlichen Grundeinstellung, auf welche Art und Weise eine Asana ausgeführt wird. Entscheidend ist das Akzeptieren seiner eigenen Grenzen, denn nur dann kann die Übung gezielt auf die notwendige Stabilität eingenommen werden, aber auch mit der gleichzeitigen Entspannung