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DAS ARMATURENBRETT DES ACHTERBAHNWAGENS (SEELE, GEIST)
„Ich“ sitze als „Fahrgast“ in meinem Achterbahnwagen und fahre durch das Leben. Die Auseinandersetzung mit meinem Leben löse ich durch Konsultation des Armaturenbretts und dessen Hilfen. Auf dem Armaturenbrett des Achterbahnwagens hat es viele Instrumente, Anzeigen und Leuchten. Es gibt Anzeigen für ganze Religionssysteme, „heilversprechende“ Methoden mit ihren „Gurus“, Verbindungen zu Kursen und sogar eine Direktverbindung zum Internet (mit allen Homepages und Tausenden von Lebenshilfen und Lösungsvorschlägen).
Es gibt aber auch einige Anzeigen mit ganz bekannten Bezeichnungen, die ich gut verstehen und auswerten kann (glaube ich wenigstens oder doch nicht?) und die mir bei meiner Fahrt sehr hilfreich und nützlich sind.


Warnlampe: Das Leben ist ungesichert!
Warum leuchtet diese Lampe ständig und vor was warnt sie mich: Achtung ungesichertes Leben! Achtung ungesichertes Leben! Die Lampe leuchtet ständig und sie zeigt, dass jede noch so positive persönliche Meinung und Eindrücke nichts an der Erkenntnis ändern, dass die menschliche Existenz, ja dass sogar das Leben jedes einzelnen Lebewesens nicht gesichert ist, keine einzige Sekunde in diesem Leben ist sicher und gesichert. Die Natur ist geprägt durch den Grundsatz der Veränderlichkeit und Vergänglichkeit. Damit fliesst auch das Leben unaufhörlich und Beständigkeit für Körper, Seele und Geist ist reine Illusion. Die Warnlampe leuchtet ständig und zwingt mich zur Erkenntnis zu nehmen, dass es Gesichertsein oder Sicherheit im Leben nicht gibt! Vergiss nie: Es gibt keine Sicherheit im Leben, du weißt nicht, ob morgen ein neuer Tag oder ein neues Leben beginnt. Falls ein neuer Tag beginnt, weißt du nicht was er dir und du ihm bringst. Das Leben fliesst, ist veränderlich und unsicher, diese Unsicherheit verursacht Leid und quält mich.


Anzeige: Zeit (nicht Geschwindigkeit)
Anzeige Zeit, nicht Geschwindigkeit, leuchtet manchmal, regelmässig, unregelmässig, hat keine Zeiger und kein Zifferblatt. Ich weiss nicht, wann und wieso sie leuchtet. Leuchtet sie nur wenn ich hinschaue? Zeit, der ewige Fluss der Gedanken; Ewigkeit, der ewige Fluss des Lebens.
Zeit lässt sich physikalisch genau definieren und bis auf die kleinste Zeiteinheit messen und erklären. Albert Einstein (1879-1955) hat zu Beginn dieses Jahrhunderts das Weltbild der Physik mit der Formulierung der Relativitätstheorie revolutioniert. Er hat gezeigt, dass bereits bei 2 Raumpunkten, die sich in verschiedenen bewegten Intertialsystemen befinden, eine Relativität der Gleichzeitigkeit besteht. Daraus ergibt sich aber, dass Raum und Zeit voneinander nicht unabhängig sind; sie bilden das Raum-Zeit-Kontinuum. Zur Bestimmung eines Ereignisses muss zu den 3 Räumen noch die Zeitdimension dazu kommen. In diesem Raum-Zeit-Kontinuum gehört zur Vergangenheit alles, von dem wir im Hier und Jetzt wissen können. Zukunft dagegen sind alle Ereignisse, auf die wir prinzipiell noch Einfluss nehmen könnten. Da die Signale mit der endlichen Lichtgeschwindigkeit übertragen werden, bildet ein Lichtkegel um das Hier und Jetzt die Grenze der „zeitartig“ verknüpften Ereignisse. Ausserhalb dieses Kegels liegt die Gegenwart, in der Ereignisse „raumartig“ verknüpft sind (zitiert aus dem dtv-Atlas zur Philosophie).
Zeit ist gewaltsam und brutal, mit ihr lässt sich herrlich vergleichen und damit bewerten und unterscheiden und kategorisieren und auswählen und einteilen und trennen und Unordnung schaffen und etc. Trotzdem ist alles nur relativ! Schön im Leben, dass jeder Mensch die gleiche Zeit hat auch wenn viele keine Zeit und alle zuwenig Zeit haben. Zeit aber ist gerecht, bei jedem fliesst sie gleich schnell oder langsam. Aber halt: Kann die Zeit überhaupt fliessen? Liegt es nicht in der Eigenheit der Zeit, dass sie unvergänglich ist und damit ewig? Kann etwas Ewiges fliessen? Wie kann ich Zeit fassen?
Ist es der Moment und die Dauer während der mein Achterbahnwagen in die Tiefe stürzt und im Dunkel seinen Weg sucht? Die Dauer während der ich auf Licht hoffe? Was soll diese Anzeige Zeit? Wann werde ich mir dieser Zeit bewusst? Eigentlich nur, wenn ich mit der aktuellen Situation nicht einverstanden bin und eine andere Situation anstrebe. Ich brauche Zeit um vom Ist zum Soll zu kommen, ich tröste mich mit der Zeit, es braucht Zeit, es braucht Geduld, Zeit als Hoffnungsmittel. Zeit als Differenz zwischen Ist-Situation (heute) und Soll-Situation (morgen oder gestern). Mir nützt Zeit um von der Gegenwart einen oder viele Schritte zurück in die Vergangenheit oder einen oder viele Schritte in die Zukunft zu denken. Mein Bewusstsein für Zeit ermöglicht mir die gedankliche Wanderung in meinen Erinnerungen und in meinen Wünschen und Vorstellungen. Damit wird Zeit zum Denkprozess! Zeit als Bewegung meines Denkens von heute und jetzt nach irgendwohin. Ich muss also nur versuchen nicht zu denken und dann gibt es keine Zeit mehr, dann habe ich alle Zeit der Welt. Ich denke, also bin ich zeitarm; ich denke nicht, also bin ich zeitreich oder ewig. Im Nichtdenken liegt das Ewige! Kann das denn sein? Wie denke ich nicht?

 

Warnlampe oder Anzeige: Gegenwart
Hilfe, diese Anzeige blinkt wie wahnsinnig und ununterbrochen. Gegenwart, Gegenwart, Gegenwart! Ja jetzt ist Gegenwart, ich kann und muss diese Anzeige sehen. Kann ich sie auch verstehen? Bedeutet dieses ständige Blinken ‚Gefahr‘ oder ist es nur ein zurückhaltender Hinweis? Was auch immer, dieses ständige und ununterbrochene Blinken darf nicht übergangen werden. O.K. ich nehme zur Kenntnis: Jetzt ist Gegenwart. Aber was heisst das?
Es heisst, dass ich jetzt, gerade jetzt lebe, dass die Wirklichkeit jetzt gerade jetzt ist. Nur jetzt in der Gegenwart kann ich die Realität, die Wirklichkeit, die Wahrheit, die Schönheit voll erfassen, leben, spüren, leiden, achtsam wahrnehmen. Aber die Gegenwart weiter zu beschreiben, ist so schwer oder vielleicht unmöglich (ich müsste mal Goethe fragen). Ich glaube es ist unmöglich, die Realität der Gegenwart mit allen ihren mystischen fass- und unfassbaren Eindrücken zu beschreiben, die gewählten Wörter und Ideen sind ohnehin zu wenig präzis. Ich bin sicher, Gegenwart kann nicht beschrieben oder geschildert werden (höchsten teilweise in Anerkennung von Goethe, sorry), sie muss und kann nur im Hier und Jetzt gelebt oder eben achtsam wahrgenommen werden. Das Leben fliesst von Gegenwart zu Gegenwart, dazwischen gibt es nichts, absolut nichts, und damit ist das Leben eigentlich ewig (sofern ich nicht denke während dieser Zeit!). Gegenwart, Gegenwart, Gegenwart, Gegenwart, Gegenwart, Gegenwart, Gegenwart, .........
Damit ist die Gegenwart aber nicht (nur) ein „Augenblick“, wie oft gesagt wird, nicht nur ein kleiner Punkt oder eine winzige Sekunde. Das absolut erstaunliche und beeindruckende, für mich eine wahrhaft grandiose Erkenntnis, ist, dass die Gegenwart damit einen Raum einnimmt, eine eigene Existenz, ein Sein aufweist. Dieser Raum der Gegenwart (ihr Sein) liegt im Zentrum der Zeitachse, sozusagen an der Quelle der Zeit oder wie Einstein formulieren würde, ausserhalb des „zeitartig“ verknüpften Lichtkegels um das Hier und Jetzt, wo die Ereignisse „raumartig“ verknüpft sind. Die Gegenwart sprudelt aus der Quelle der Zeit immer aufs Neue und wir dürfen darin baden, während die Zeit in zwei entgegen gesetzte Richtungen, reissend in die Vergangenheit und beeilend in die Zukunft, zerfliesst. Mit diesem ewigen Sprudeln der Gegenwart aus der Quelle der Zeit ist die Gegenwart unvergänglich, „raumartig“ und ewig.
Hilfe, diese Anzeige blinkt wie wahnsinnig und ununterbrochen. Ja eben darum!


Zwei unabhängige Leuchten: Vergangenheit und Zukunft
Endlich zwei Anzeigeleuchten, die ich absolut im Griff habe. Denke ich an die Vergangenheit oder an die Zukunft, leuchtet die entsprechende Leuchte. Super sie gehorchen aufs Wort, re-spektive noch besser sogar auf den Gedanken. Ein Gedanken an die Zukunft und die Leuchte Zukunft ist erhellt. Allerdings ist diese Kontrolle nur oberflächlich. Zwar leuchtet die Anzeige nur wenn ich an die Vergangenheit oder Zukunft denke (das funktioniert perfekt), aber oh Hilfe, ich habe einfach nicht im Griff, wann ich an die Vergangenheit oder Zukunft denke. Ich werde in die Vergangenheit (Erinnerungen) und in die Zukunft (Erwartungen) gedacht, gedanklich transferiert. Wer oder was denkt mich dorthin und warum?

Die Vergangenheit bin ich, mein ganzes Wissen, mein ganzes Können, meine Vorstellungen, die Gesamtheit meiner Erinnerungen, alles was ich erlebt haben, eigentlich alles was ich bin. Ich bin Vergangenheit. Ich bin Vergangenheit? Ich bin Vergangenheit, Vergangen und Vorbei, Tod! Stehe ich im Leben vor einer Herausforderung, frage ich mich, wie ich diese in der Vergangenheit gelöst habe, ich brauche meine Erinnerungen und fertig ist die Lösung, wenn es gut geht. Zudem hilft mir die Vergangenheit, mich an die erlebten schönen Lebenssituationen zu erinnern und diese wieder zu beleben?! Ich belebe mit meiner Erinnerung ein Erlebnis aus der Vergangenheit wieder? Ist das möglich, ist das Gegenwart, oder aber nur abgelebte aus der Vergangenheit reproduzierte Gegenwart? Kann die Vergan-genheit, können die Erinnerungen mir in der Gegenwart wirklich helfen oder stören sie nur meine an und für sich notwendige unteilbare Achtsamkeit?
Warum bin ich nicht auch Zukunft? Oder bin ich Zukunft! Bin ich die Summe aller meiner Erwartungen. Natürlich bin ich alle meine zukünftigen Erwartungen. Allerdings möchte ich nur die guten Erwartungen zur Kenntnis nehmen. Ich hoffe, dass die Zukunft besser wird, dass die Zukunft positive Erwartungen eintreffen lassen wird. Ich hoffe in die Zukunft, ich lebe gedanklich in der positiven Erwartung in der Zukunft, die sowieso unsicher ist und anders eintrifft. Aber ich fühle mich wohl im transferierten Leben in die Zukunft, ich kann meine Erwartungen positiv denken. Aber lebe ich, erlebe ich die Zukunft jetzt? Nein, meine Gedanken leben eine fiktive Erwartung und glauben an deren jetzige Lebbarkeit. Meine Gedanken, nur mein Denken lebt in diesem Raum der Zukunft, in diesem Gedankenkonstrukt, in diesem Zeit-Raum-Konstrukt, in diesem Hirngespinst, in diesem Nichts .........

Komisch, diese beiden Leuchten Vergangenheit‘ und Zukunft‘ sowie die Warnleuchte ‚Gegenwart‘ alle leuchten ständig! Wie kann das sein? Was soll das?

Obwohl ich in der Gegenwart lebe, beschäftige ich mich ununterbrochen mit der Vergangen-heit und der Zukunft. Alle Lampen leuchten, ständig, logisch. Die Gewalt und Macht meiner Erinnerungen (Vergangenheit) und die Unsicherheit meiner Erwartungen (Zukunft) ist so prä-sent, so beherrschend, dass beide (fast) noch wirklicher sind, als die Gegenwart selber. Ich ha-be Mühe die Gegenwart zu leben, glücklich zu leben, wenn ich die Vergangenheit nicht berei-nigt habe und auch die Zukunft nicht wunderschön mit Erwartungen und Versprechen präsen-tiert wird. Ich lebe, oder torkle, schwankend wie ein Besoffener, zwischen Vergangenheit und Zukunft durch die Gegenwart. Meine Gedanken halten sich an den glücklichen Erinnerungen und an den hoffentlich positiven Erwartungen, aber da bleibt wenig Platz, Zeit und Raum für die Gegenwart. Ich glaube, ich lebe gar nicht in der Gegenwart, in der Welt, in der Realität, sondern in von meinem Verstand aufgebauten Zeit-Raum-Konstrukten. Kann das sein? Darf das sein? MUSS DAS SEIN? Ich lebe nicht in dieser Welt, ich lebe in einem Science-Fiction-Welt-Gemisch aus Vergangenheit und Zukunft. Oh Schreck ich verpasse die Gegenwart. Ich verpasse die Gegenwart! Weil ich träume, nein, weil ich wach bin, aber falsch denke. Ja, weil ich denke! Ich will aber leben, jetzt leben, jetzt wahrnehmen, jetzt achtsam sein, wahrschein-lich ohne denken. Ja ich glaube ohne denken, es geht nur ohne denken. Kaum zu glauben, schon gar nicht zu denken !

Mein Bewusstsein der Zeit und zur Zeit muss geändert werden, damit der Umgang mit der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft sinnvoll wird. Die Meditation hat mein Be-wusstsein der Zeit und zur Zeit stark verändert.